Do-It-Yourself: Fake-News

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

wir müssen euch etwas beichten. Wir sind keine Pflanzenliebhaber, die gemeinsam Wissen sammeln und verbreiten wollen. Dieser Blog entstammt einer Lehrveranstaltung der Universität Wien zum Themenbereich Multimedia-Journalismus. Zu Beginn des Semesters hatten wir die Wahl zwischen mehreren Projektthemen, wovon wir eines bearbeiten würden. Wir haben uns für die Frage entschieden „Wie macht man Fake-News?“.

Euphorisch entwickelten wir die skurrilsten Ideen, was unsere Fake-News sein könnte. Aber halt – da gibt es noch so etwas wie rechtliche und ethische Grenzen. „Es darf niemand zu Schaden kommen“ war das oberste Gebot, und damit fiel eine Menge an Ideen ins Wasser. Von den übrigen Ideen wurden einige in einer Geschichte zusammengeführt: Eine seltene Seerose soll laut dem Voynich Manuskript das Geschlecht des Embryos während der Schwangerschaft beeinflussen. Aber dazu später mehr.

Neben dem Inhaltlichen braucht es noch vieles mehr, um Fake-News zu verbreiten.

Wir beschäftigten uns mit Methoden, um uns anonym im Internet zu bewegen, erstellten Fake-Profile, die nach kurzer Zeit gesperrt wurden, und haben herausgefunden, wie man schnell viele Facebook-Freunde anhäuft. Die Erkenntnis, dass Facebook den Tor-Browser nicht mag, kam recht schnell, und schlussendlich nahmen wir in Kauf, dass man uns in Wien lokalisieren kann. Wir haben es geschafft mehrere Fake-Profile auf Facebook und Twitter am Leben zu halten, ohne eine Telefonnummer anzugeben.

Das Herzstück unseres Netzwerks ist dieser WordPress-Blog, sowie die dazugehörigen Accounts auf Facebook („Naturkur“) und Twitter (@dienaturkur). Hier haben wir wahre Geschichten veröffentlicht, um einen glaubhaften Rahmen für unseren Fake-News-Artikel zu schaffen. Die Artikel haben wir anschließend rückdatiert, und auf Facebook und Twitter geteilt. Mit den Fake-Profilen haben wir versucht, unsere Fake-News zu verbreiten.

Nach dem ersten Durchlauf zeigten sich einige Probleme.

Die anderen User haben die Geschichte einerseits schlecht aufgenommen. Wir hatten eine falsche Zielgruppe definiert. Die Verschwörungstheoretiker fanden sie nicht so spannend, wie die werdenden Mütter und Frauen mit Kinderwunsch (die wir nicht im Fokus hatten).

Diejenigen, die sich mit unserem Artikel beschäftigten, kritisierten, dass es keine Quellen gibt, und dass das Geschlecht schon bei der Zeugung feststeht. Unsere Behauptung, dass es bis zur 13. Schwangerschaftswoche möglich sei, das Geschlecht zu verändern, war biologisch gesehen Blödsinn – upps.

Dann gab es noch die, die unseren Artikel als weitere falsche Behauptung, dass das Manuskript entschlüsselt sei, abgetan haben.

Die Reichweite unserer Geschichte hielt sich trotz bemühter Verbreitung über die Fake-Profile in Grenzen.

An der Stelle hätten wir unser Projekt abschließen können – wir haben noch einen Artikel nachgelegt.

Mit einem Testimonial, das selbst mit den Seerosen im Süßwasser badet, weil sie ein Mädchen will, starteten wir einen neuen Versuch. Unsere Zielgruppe lag dieses Mal eindeutig auf Foren für Frauen mit Kinderwunsch und Mütter.

Der zweite Artikel kam bei dieser Zielgruppe sehr gut an. Dieses Mal lag ein Fehler in der Präsentation. Unser Testimonial behauptete in zwei bekannten Foren unter demselben Usernamen einmal, dass sie ein Mädchen wolle und einmal einen Jungen. Die aufmerksamen User haben diese Diskrepanz rasch entdeckt. Auch an fachlicher Kritik am Artikel wurde wieder nicht gespart.

Fake-News sind keine spontane, kurzfristige Angelegenheit. Man braucht einen gut durchdachten Plan, viel Zeit und ein aktives Netzwerk.

P.S.: Als Zeichen unserer Aufrichtigkeit enthüllen wir unsere Identität.

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